Praxistipp Zielmanagement #3: Begrenzen Sie die Anzahl der Ziele

Der dritte Teil der Blog-Serie zeigt auf, warum Fokus in der Umsetzung so wichtig ist und wie die Anzahl der Ziele die Umsetzungsergebnisse beeinflussen.

Warum Fokus so wichtig ist

Ein ganz entscheidender Faktor erfolgreicher Umsetzung von Zielen ist Fokus. Für das Angehen und Umsetzen von Zielen stehen uns in aller Regel nur begrenzte Ressourcen an Zeit, Geld und Energie zur Verfügung. Fokussierten Unternehmen, Teams oder Mitarbeitenden gelingt es, die für die Zielerreichung zur Verfügung stehende Energie auf wenige, aber wirklich wichtige und entscheidende Dinge zu konzentrieren. Welche Wirkung die Bündelung von Energie entfalten kann, können Sie sich beim Gedanken an von einer Lupe gebündelter Sonnenstrahlen verdeutlichen. Einzelne Sonnenstrahlen für sich genommen sorgen vielleicht für einen Sonnenbrand – wenn sie aber durch Scherben, Lupen o.ä. gebündelt werden, entwickeln sie ungeheure Energien, mit denen Brandherde entstehen können.

Wie ich dem Jahresmitarbeitergesprächsdokument auf den Leim gegangen bin

In vielen Organisationen werden Formulare eingesetzt, um Führungskräfte z.B. bei der Durchführung von Jahresmitarbeitergesprächen zu unterstützen. Auch ich kam in diesen Genuss… Das Formular für die Jahresmitarbeitergespräche führte mich durch eine allgemeine Einschätzung der Zusammenarbeit mit meinen Mitarbeitenden, beinhaltete eine Rubrik für die Bewertung der Ziele des vorangegangenen Jahres, für die jährliche Mitarbeiterbeurteilung und eine Tabelle für die Ziele, die für das neue Geschäftsjahr mit dem Mitarbeitenden vereinbart werden. Die Tabelle hatte 10 Zeilen für 10 Jahresziele. Ich erinnere mich gut an meine ersten Gespräche und das Gefühl das mich beschlich, wenn ich mit Mitarbeitenden nur 2 oder 3 Ziele vereinbart hatte: „Das sieht irgendwie komisch aus – so viel Platz und nur 3 Ziele…“ Also ging es mit den Mitarbeitenden in die nächste Runde „Was könnten wir noch für dieses Jahr als Ziele vereinbaren – 5 Stück sollten es auf jeden Fall sein…“

Sieht zwar besser aus - bringt aber nichts

Instinktiv habe ich mich leiten lassen – von dem Formular das mir suggerierte, dass ich eine gewisse Anzahl an Zielen vereinbaren sollte und von der Auffassung, dass viel auch viel hilft. Und beides hat mich in die Irre geführt. Je mehr Ziele ich vereinbart habe, desto weniger Ziele haben mein Team und ich erreicht. Ich beobachtete, dass Ziele auf den letzten Drücker (also wenn das nächste Zielgespräch anstand) noch schnell irgendwie angegangen oder teilweise ganz vergessen und nicht bearbeitet wurden. 

Doch nicht nur bei mir konnte ich diese Fehleinschätzung wahrnehmen. Auch bei Kunden, mit denen ich heute zusammenarbeite ist dies ein vielfach beobachtet Phänomen. Die Tendenz geht dahin, dass sich Organisationen, Führungskräfte und Mitarbeitende immer mehr vornehmen: „Hier möchte ich noch…“; „Das sollten wir noch machen…“.

Praxistipp: Begrenzen Sie die Anzahl der Ziele

Fokussieren Sie sich und Ihre Mitarbeitenden auf einige wenige, absolut vorrangige Ziele, damit diese neben den vielfältigen Anforderungen des Tagesgeschäfts auch tatsächlich erreicht werden können. Mit konsequentem Fokus können Sie die Umsetzungsenergie in Ihrer Organisation bündeln und so außergewöhnliche Ergebnisse erreichen. Fokus bedeutet auch immer „Nein“ zu sagen. Dies fällt vielen Teams und Führungskräften schwer, da ein Nein auch immer das Auslassen von vermeintlichen Chancen bedeutet.

Aber was passiert, wenn mit einem Mitarbeitendem 10 Jahresziele vereinbart wurden (das gibt es wirklich…)? Wo soll der Mitarbeitende anfangen? Wie geht er mit Ressourcen-Konflikten um? Die Wahrscheinlichkeit, dass er zu Multitasking greift und anfängt an mehreren Zielen gleichzeitig zu arbeiten ist groß – wie Beobachtungen (Sean Covey, Chris McChesney, Jim Hulling und Andreas Maron in: Die vier Disziplinen der Umsetzung) zeigen, mit fatalen Auswirkungen auf die Zielerreichung:

Quelle: Die vier Disziplinen der Umsetzung, S. 63

Quelle: Die vier Disziplinen der Umsetzung, S. 63

Meiner Erfahrung nach, sind für Mitarbeitende eine Anzahl von maximal 3 Zielen wirksam – ich selbst arbeite mit maximal 2 Zielen, um meinen Fokus auf die wirklich wichtigen Dinge zu richten, die ich in einem definierten Zeitfenster erreichen möchte. Auf Teamebene haben sich 2 bis maximal 5 Ziele bewährt, die ein Team im Zielzyklus erreichen wollen. Aber auch für Teamziele gilt: weniger ist häufig mehr.

Wenn Sie vor Ideen für Marktchancen, Projekten und Initiativen nur so strotzen, versuchen Sie, diese Ideen zu priorisieren um fokussiert zu bleiben. Einfache Fragen wie :

  • „Welche Ziele und Initiativen bringen mich meinem Gesamtziel am schnellsten näher (Zur Ausrichtung der Ziele an den Unternehmenszielen habe ich bereits einen Blogbeitrag verfasst)?“
  • Welches Ziel, wenn wir es erreichen, liefert den höchsten Wertbeitrag?“

können für die Fokussierung Ihres Teams sehr hilfreich sein.

„Only through focus can you do world-class things, no matter how capable you are” (Bill Gates)   

 

Photo by Davide Cantelli on Unsplash


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